Voten für die HOTLIST

Bei PROSANOVA 2017 war sie eine der drei Kandidaten für den Ingebach-Borgmann-Preis der Literaturpreise: Die HOTLIST, die die besten Bücher aus unabhängigen Verlagen präsentiert, geht in eine neue Runde.

Auf der Wettbewerbsseite können ab sofort per Publikumsvoting aus dreißig Kandidaten drei bestimmt werden, die unter die besten zehn kommen sollen – die restlichen sieben werden von einer unabhängigen Jury ausgewählt. Die spannendsten Kandidaten: Maren Kames mit Halb Taube Halb Pfau aus dem Secession Verlag, die bei Kookbooks erschienene Lyrik-Anthologie all dies hier, Majestät, ist deins, Brigitta Falkners lyrische Graphic Novel Strategien der Wirtsfindung, die vor kurzem bei Matthes & Seitz erschienen ist; unter den Newcomern dieses Mal: ars vivendi aus Cadolzburg mit dem letzten Band einer aufwändigen Neuübersetzung aller Shakespeare-Dramen und GolubBooks aus Karlsruhe mit Srdjan Srdićs aus dem Serbischen übersetzten Kurzgeschichtenband Espirando.

Das Besondere: Der Preis, gegründet von einer kleinen Gruppe von Independent-Verlegern im Jahr 2009 als Gegenveranstaltung zum Deutschen Buchpreis, dient als Aufmerksamkeits-Generator für unabhängige Verlage überhaupt. Deshalb sind auf der Webseite auch alle 184 Kandidaten zum diesjährigen Wettbewerb abrufbar, was einen schönen Katalog der aktuellen Buchproduktion jenseits der großen Konzerne ergibt.

Die Preisverleihung findet übrigens im Rahmen der Frankfurter Buchmesse am Messefreitag im Literaturhaus Frankfurt statt. Und wer die HOTLIST unterstützen will, kann hier Mitglied des Förderkreises werden.

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Bachmannpreis 2016: Miesmuscheln und Super Mario’s Mushroom Kingdom

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Klagenfurt macht sich warm: Kurz vor dem Start des Jubiläums-Bewerbs eine kleine Linkrundschau zu den 40. Tagen der deutschsprachigen Literatur.

Stefanie Sargnagel, die Kandidatin, von der zur Zeit alle sprechen, hat bereits Anfang Juni in der taz das definitive Bachmannpreis-Interview gegeben: 49 Fragen mit Antworten wie „Ich kann nicht mehr“, „Diese Frage allein macht mich psychisch fertig“, aber auch schon einem kleinen Ausblick darauf, was man bei ihrer Lesung erwarten darf:

Es ist ein Fließtext, den ich zwei Nächte vor der Abgabe geschrieben hab. Er ist ganz anders als Statusmeldungen, weil dazwischen immer: „Dann hab ich das gemacht. Dann bin ich da hingegangen. Der Himmel war grau.“ und sowas kommt.

Als eigentliche Sensation dieses Jahr muss allerdings gelten, dass es der Bachmann-Preis nun endlich auf Facebook und Twitter geschafft hat. Hier wurde die geneigte Crowd bisher vor allem mit bunten Texttafeln angefüttert, die ein Best-Of (oder, je nach Geschmack, Worst-Of) aus 40 Jahren Kritikerbegründungen sammelten. Schönstes Material findet sich da natürlich bei Daniela Strigl, etwa diese meisterhaft lapidare Spitze:

Ansonsten kann man sich durch die Bücherregale der Kandidatinnen und Kandidaten klicken (eher mäßig spannend: Bei Astrid Sozio steht ein SZ-Edition-Band verkehrt herum im Regal, Kandidat Tomer Gardi macht beinahe ein Selfie, Bastian Schneider ist Bibliothek-Suhrkamp-Fan, Sascha Macht besitzt ein lustiges Sparschwein) und, ganz aktuell, Stimmen zur Einschätzung des Wettbewerbs nachlesen („Was war Ihr Impuls, sich für das Wettlesen um den Bachmannpreis zu bewerben?“). Hier räumt Sascha Macht ganz klar ab: Seine glänzende Beschreibung des Wettlesens als „Super Mario’s Mushroom Kingdom der deutschsprachigen Literatur“ hat schon jetzt das Zeug, den von Valerie Fritsch und Ronja von Rönne im letzten Jahr geprägten, viel zitierten Spruch von den „Hunger Games des Literaturbetriebs“ abzulösen.

Autorinnen und Autoren bewerben sich auf Preise und Wettbewerbe aller Art, denn das ist ihre Natur. Wer jedoch zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur eingeladen ist, der weiß, dass er ins Fernsehen kommen wird – und das Fernsehen übt seit jeher eine besondere, nämlich ganz und gar unerklärliche und völlig irrsinnige Faszination auf Autorinnen und Autoren aus. Man könnte aber auch jenen berühmten Satz paraphrasieren, den Peter Hacks einst an Ronald M. Schernikau schrieb: „Falls Sie vorhaben, ein großer Dichter zu werden, müssen Sie nach Klagenfurt; es allein stellt Ihnen – auf seine entsetzliche Weise – die Fragen des Jahrhunderts.“ (Dass Hacks dabei in Wahrheit die DDR meinte, sollte der Vollständigkeit halber erwähnt werden – jedoch spricht ja heutzutage nichts dagegen, dass sich so ein starker Satz durchaus auch für andere Bedeutungszusammenhänge eignet.) Wie zwanghaft man es auch dreht und wendet: Klagenfurt ist und bleibt das Super Mario’s Mushroom Kingdom der deutschsprachigen Literatur. Wir müssen immer dorthin gehen, wo wir nie gewesen sind, wo wir niemals hin wollen oder wo wir schon einmal waren, aber uns nicht mehr daran erinnern können.

Was bleibt sonst noch zu sagen? Anlässlich des 90. Geburtstags von Ingeborg Bachmann und eines immer noch in Teilen recht käsfüßigen Literaturbetriebs vielleicht noch, dass die Werke des „Literaturstars“ aus Klagenfurt (Pressemeldung) nun auch digital im Piper Verlag erscheinen werden. Und Twitterer, aufgepasst: FM4 lobt dieses Jahr erstmals einen Preis für die besten Tweets aus – den „Bacherlmannpreis“ kann gewinnen, wer im Bewerbszeitraum mit dem richtigen Hashtag (#tddl oder #tddl16) in 140 Zeichen kommentiert, Preis sind zwei Eintrittskarten für das Frequency-Festival.

Open Mike 2015: Die schönsten Tweets

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Der 23. Open Mike ist vorbei, die einschlägigen Besprechungen liegen vor. Aber wird jetzt bald auch mehr getwittert?

Auf ZEIT ONLINE boykottiert Wiebke Porombka die Gewinner und räumt ihrem Lieblingstext viel Raum ein; Angela Leinen denkt in der taz über Professionalität und harte Juryarbeit nach, während Jörg Magenau in der Süddeutschen Zeitung (leider nicht frei online) das Ende des Berlin-Hypes proklamiert. Wenig Überraschendes, einzig Cornelius Wüllenkemper gerät im Deutschlandfunk etwas außer Fassung angesichts der tatsächlich diskussionswürdigen Juryentscheidung und watscht neben Jan Brandt („reichlich beliebige Begründung“) auch gleich noch einen Großteil der Autoren ab („viel vergeistigtes Gefasel“).

Wenig beachtet wurde die Tatsache, dass diesmal tatsächlich ein funktionierender Livestream vorlag. #tddl im Heimathafen? Soweit kam es noch nicht, die Twitterer, meist vor Ort und nah am Geschehen, bildeten ein eher verschworenes Grüppchen. Hier trotzdem die schönsten Tweets vom Wochenende. Und damit bis zum #om16!

Ein Schweizer Wetter

Michael Fehr

Michael Fehrs Simeliberg ist ein sprödes Stück Literatur aus einem nicht ganz so idyllischen Fleck der Schweiz, das in seiner gekonnt-sperrigen Konstruktion überzeugt. Trotzdem hätte Fehr noch mehr daraus machen können.

Schweiz schwarz-weiß: Dass Schweizer Literatur mehr kann als Kuhglocken-Idylle, hat zuletzt wieder einmal Pedro Lenz in seiner Junkie-Ballade Der Keeper bin ich bewiesen, wo die Bauern sich ein Zubrot als ländliche Entzugsstationen verdienen, keiner dem anderen über dem Weg traut und sich selbst im letzten Winkel des Emmentals Ganoven und Kleinkriminelle die Klinke in die Hand geben. Michael Fehr stößt in dieselbe Richtung und räumt in seinem neuen Text Simeliberg mit dem romantischen Topos der Waldeinsamkeit auf. Statt Idylle gibt es hier jede Menge Dreck, Paranoia und militante Landjugend, auf deren Bekanntschaft man lieber verzichten würde.

Fehr hat bei einem eindrucksvollen Mundart-Vortrag im Rahmen des letztjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettlesens schon einen kleinen Einblick in sein neues Projekt gegeben, ausgezeichnet wurde er dafür mit dem Kelag-Preis. 1982 geboren, mit Ausbildung am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel und an der Hochschule der Künste in Bern, ist er neben seiner Autorentätigkeit – Simeliberg ist nach Kurz vor der Erlösung seine zweite Buchpublikation im Verlag Der gesunde Menschenversand – auch Literaturvermittler, kuratiert das Lyrik-Netzwerk Babelsprech und kümmert sich um die Schweizer Seite des Open-Mike-Wettbewerbs.

Die abgehackte, radikal zerlegende, szenische Sprache des Vorgängerbandes findet sich auch in Simeliberg wieder. Das macht das Lesen erst anstrengend – fehlende Satzzeichen, scheinbar willkürliche Umbrüche – bringt dann aber nach einer gewissen Umstellungszeit den Lesefluss in ein gehöriges Tempo, eine Atemlosigkeit, die der unerhörten Geschichte, die hier wiedergegeben wird, sehr gut eignet.

Den kompletten Artikel lesen auf fixpoetry.com ➝

fixpoetry

Voller Empfang: New German Fiction

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Der Literaturwettbewerb New German Fiction geht ins zweite Jahr – und hat sich noch einmal runderneuert: Die Altersbegrenzung bis 30 fällt weg, außerdem winkt den Gewinnern neben Readux-Abdruck und Edit-Veröffentlichung jetzt auch ein E-Book beim Verlag Matthes & Seitz Berlin.

Richard Stoiber, der die Kooperation von Matthes & Seitz und New German Fiction betreut, sagt dazu: „Wir freuen uns sehr, uns als Partnerverlag an New German Fiction zu beteiligen. Der Wettbewerb und unsere E-Book-Reihe MSeB ergänzen sich wunderbar: Der Wettbewerb bietet Autorinnen und Autoren die Möglichkeit, sich ihre erste Leserschaft zu erschließen. Die Reihe MSeB ist offen für neue, kürzere Texte, lässt Experimente zu, die in anderen Formaten nicht realisierbar wären – die ideale Plattform für Gegenwartsliteratur. In das Projekt eingestiegen sind wir, weil uns die Texte der letztjährigen Preisträgerinnen Inga Machel und Judith Keller sofort überzeugt haben, wir wollten sie unbedingt in unser Programm aufnehmen; beide Texte erscheinen in diesem Monat. Die Jury, die aus Kolleginnen und Kollegen aus der Literaturbranche besteht, hat im letzten Jahr tolle Arbeit geleistet, wir blicken der diesjährigen Auswahl deswegen mit großer Vorfreude entgegen.“

Wie im letzten Jahr werden die Gewinnertexte sowohl auf Deutsch als auch in englischer Übersetzung publiziert. Der eingereichte Text sollte zwischen 25.000 und 50.000 Zeichen lang sein, Einsendeschluss ist der 31. Mai 2015. Teilnahmeberechtigt ist, wer bislang noch keine eigenständige Publikation veröffentlicht hat.

Direkt zum Einsendeformular geht es hier. Viel Glück!

Von Pennälern und Matroschkas

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Es ist schon zu einer schönen Tradition geworden, dass sich jedes Jahr im November Literaturjournalisten aller großen Tages- und Wochenzeitungen in Berlin treffen, um über den Zustand der jungen Gegenwartsliteratur zu schreiben.

Auch dieses Jahr wieder konnte der Open-Mike-Literaturwettbewerb ein spannendes Rahmenprogramm für die angereisten Redakteurinnen und Redakteure bieten. Dabei ist eines festzustellen: Während der Literaturjournalismus in den letzten Jahren immer professioneller und wirklichkeitsnäher geworden ist, gelingt doch eine wirklich ausgewogene und objektive Berichterstattung nur selten. Schon im letzten Jahr konnte man von „farb- und willenlosen Charakteren“, „fehlender Tiefe“ und einem Mangel an Haltung lesen, dieses Jahr auch wieder: Professionalisierung, Inszenierung, schlimmer noch: „Schulmeisterlichkeit“ und „Marketingmentalität“, gepaart mit dem üblichen Verweis auf die Schreibschulen in Leipzig und Hildesheim.

Wollen wir solch einen Literaturjournalismus? Wo ist die Verve eines Joseph Roth, wo sind die Spitzen eines Kurt Tucholsky, wo ist das Poltern eines Jörg Fauser? Stattdessen werden hier „Kommas und Gedankenstriche wie Sofakissen drapiert“ und „schweißtreibend ermeißelte Syntax“ angekreidet – sprachliche Meisterleistungen!

Um es noch deutlicher zu machen: Ist es wirklich noch zeitgemäß, in einem literaturjournalistischen Artikel im Jahr 2014 von „Pennälern“ zu sprechen? Kann man eine Frage wirklich „wie eine Matroschka öffnen“, um ihr „weitere entschlüpfen zu lassen“? Und ist es wirklich notwendig, dann auch noch mit Kafka, Musil, Doderer und Ludwig Thomas Lausbubengeschichten (!) zu kontern?

Um das Leben mit mehr guten journalistischen Texten zu bereichern, auch darum wünscht man den Open-Mike-Journalisten für die Zukunft mehr Professionalität.

Klagenfurt Kollekte

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Der Countdown läuft am Wörthersee: Nur noch wenige Tage bis zur 38. Austragung der Tage der deutschsprachigen Literatur, kurz: Bachmannpreis, ganz kurz: #tddl. Ein paar vorbereitende Links und ein Aufruf.

Der Hashtag zur diesjährigen Veranstaltung lautet #tddl. Das ist dieses Jahr umso wichtiger, da der konkurrierende Hashtag #tddl14 mit dem Tag des digitalen Lernens belegt ist. Oh, sweet Kontingenz!

Neuer Juror 2014 ist Arno Dusini, der ab diesem Jahr Paul Jandl ablöst. Nie wieder stählerne Blicke und messerscharfe Kommentare? Dafür geballte Grillparzer-Kompetenz? Wir werden sehen.

Der Programmablauf bleibt ansonsten gleich: von 3.-5. Juli wird gelesen und live übertragen, dann Preise. Der heimliche Hauptpreis, derjenige der Automatischen Literaturkritik der Riesenmaschine nämlich, soll dieses Jahr noch größer werden: Mit schicker Crowdfundingseite und attraktiven Angeboten. So kann bei der Spendensumme von 1.000 € der Geldgeber den Preis nach sich benennen lassen. The Daily Frown meint: sehr gut!

Zu den 38. Tagen der deutschsprachigen Literatur, den Teilnehmern und dem diesjährigen Literaturkurs auf bachmannpreis.eu