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Das STILL Magazin hat große Pläne: Zusätzlich zur Print-Ausgabe des Foto- und Literaturmagazins soll als nächstes eine digitale Plattform entstehen, die den Magazingedanken ins Netz trägt. Marc Holzenbecher, einer der Herausgeber von STILL, erzählt, was genau der Plan ist.

Was wird bei einem digitalen STILL Magazin anders werden? Wird es z.B. Beiträge geben, die nur digital denkbar sind?

Ja, natürlich eröffnet uns das die Möglichkeit, andere Beiträge zu publizieren als in Print. Audioformate, digitale Literatur, Bewegtbilder in der Fotografie. Aber vielmehr wird es das Magazin selbst werden, das digital gedacht wird. „We are constantly evolving our format. In the future we want to open up the structure even more, future issues—same as some works in it—may not be completed or ‚closed‘ at the time of publication. What we are looking for is a format that enables us to rearrange and continue completing issues after their release.“ Statt einer Kopie der Printausgabe in Form eines E-Books oder einer statischen PDF wird das digitale STILL ein flexibles Archiv und Labor zugleich, ein Format, das den Arbeiten vergangener Ausgaben ein Weiterleben und eine Weiterentwicklung erlaubt. Ein lebendiges, anpassungsfähiges Magazin, das—weniger endgültig als in Tinte auf Papier—auch work in progress abbilden kann.

Es ist eine STILL-Drama-Ausgabe in Planung. Soll es, wenn es nach euch geht, weitere Bücher geben?

Die Resonanz auf unser erstes Buch, an dem wir gerade arbeiten, ist herausragend. STILL Drama ist als Beginn einer Serie gedacht und sofern es uns (finanziell) möglich ist, wird es weitere Ausgaben geben!

Was habt ihr in den letzten drei Jahren über das Magazin-Machen gelernt?

Zuzuhören, wach zu sein. Gutes braucht Zeit und Geduld.

Um die Pläne für ein digitales STILL-Magazin in die Wirklichkeit umzusetzen, haben die Herausgeber eine Kickstarter-Kampagne ins Leben gerufen, die gerade auf den letzten Metern ist. Hier kann noch gespendet werden.

Prosanova-Prequel 3: Literaturfetisch

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Am 29. Mai beginnt in Hildesheim zum vierten Mal das deutschlandweit größte Festival für junge Literatur: PROSANOVA 2014. Zur Einstimmung erscheinen an dieser Stelle in den kommenden Wochen, willkürlich, ungeordnet und streng subjektiv, Fundstücke und Eindrücke aus den vergangenen Jahren.

Wie man aus Literatur einen regelrechten Fetisch machen kann, hat die zum Prosanova-Festival 2011 erschienene 30. Ausgabe der BELLA triste gezeigt: Ein Zauberkasten, eine Wundertüte, groß wie eine Cornflakes-Packung, dem die Bezeichnung „Zeitschrift“ kaum noch gerecht wurde. Mit Fraktur von Judith Schalansky, Soundchip aus China und einem kleinen Beutel, in dem sich – übrigens nach drei Jahren kein bisschen gealtert – ein Stück Baumrinde versteckte. Die obligatorische Bildergalerie:

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BELLA triste – Zeitschrift für neue Literatur

Die Würstchen der Wahrheit

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Es gibt gewiss einige, vielleicht sogar viele Dinge, die Wolfram Lotz nicht kann. Über mangelnde Produktivität muss man sich bei ihm jedenfalls nicht beschweren. Jetzt liegt sein erstes Buch vor, und es passt sich, obwohl klein und unscheinbar, in das schon respektabel angewachsene Gesamtwerk dieses jungen Autors ein.

Verfolgt man Wolfram Lotz’ literarische Spuren der letzten Jahre zurück, fällt zuerst eine Tatsache ins Auge: Dieser Autor versteht es, völlig ungezwungen zwischen den Disziplinen hin- und herzuspringen. Eine Erzählung hier, ein Hörspiel da, dann eine Theateraufführung in Leipzig und mehrere – sämtlich aus dem Theaterbereich stammende – Preise und Stipendien. Anders gesagt: Wolfram Lotz ist ein gutes Beispiel dafür, wie ein junger Autor produktiv und originell arbeiten kann, und dabei die festgefügten Konventionen des Literaturbetriebs weitestgehend links liegen lässt. Lotz schreibt, und das offenbar ohne Pause, Theaterstücke, Erzählungen, Listenpoesie, Hörspiele; ein ausklappbares, höchst heikles Bildertableau über die Verkettung wichtiger Persönlichkeiten des Kulturbetriebs, eingeheftet in die BELLA triste 31 und gestaltet von Frank Höhne (Titel: „Großer Gesang“) war wohl der bisherige Höhepunkt der Gattungs-Ausflüge. Verstreut finden sich weitere kurze Veröffentlichungen in Zeitungen oder Kleinstverlagen wie der Kölner parasitenpresse. Offenbar konnte Wolfram Lotz sich bislang erfolgreich dem Drang entziehen, einen Roman oder Erzählband zu liefern, qua natura im Reigen des Literaturbetriebs die Eintrittsbilletts in den exquisiten Club der jungen Gegenwartsliteratur. Sein erstes Buch ist stattdessen im Leipziger Kunst-, Architektur- und Theorieverlag Spector Books erschienen, hat Westentaschenformat und versammelt fünf, an verschiedenen Orten inszenierte, Monologe, also Theaterstücke für eine Person.

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Call for Submissions: New German Fiction

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Der Verlag Readux Books und die Literaturzeitschrift Edit haben einen Literaturwettbewerb für junge deutschsprachige Prosa ausgeschrieben. Mitmachen kann jeder unter dreißig, es winkt ein Preisgeld und Veröffentlichung. Einsendeschluss ist der 31. Mai.

Initiatorin Amanda DeMarco kommentiert dazu per Mail:

„Well, Readux ended up translating one of the winners of Edit’s 2012 essay prize (Francis Nenik) in the first round of books we published, and through that we all just figured out that we had similar interests, so hence the collaboration between Readux and Edit. I think one of the exciting things about Readux being based here is that we can have this really direct and natural connection with what we’re translating, and I’m motivated to find acquisition methods that take advantage of that and build an unmediated relationship with German writing.“

Also greift zur Feder, schreibende Jungautoren!

Live aus Berlin: STILL im Frühling

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Wenn Donnerstagabend der neue Samstagabend ist, ist Freitagabend seit dieser Veranstaltung definitiv der neue Sonntagnachmittag: Die Reihe „lauthals“ lud das STILL Magazin zum Quasi-Best-Of nach zwei Ausgaben ein; es wurde ein entspannt verjazztes Frühlingsfest daraus.

Hätte nicht das nieselgraue Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht, der Abend hätte glatt in den Vorhof des Bethanien am Mariannenplatz verlegt werden können. So scharte man sich in Plastikstühlen um eine improvisierte Bühne mit Plüschsessel, wo nacheinander Meike Blatnik, Sonja vom Brocke, Andreas Bülhoff und Niklas Bardeli ihre Leseparts absolvierten; dazwischengestreut betont lockerer Wortspiel-Jazz von „Swing of the Stoneage“.

Um es gleich vorwegzunehmen: Die Auswahl der Lesenden war, und da war sich auch am Ende das Abends das Publikum weitestgehend einig, angenehm disparat, über fehlende Abwechslung konnte sich nicht beschwert werden. Jedoch: Der hitzeflirrende spätpubertäre Jugendroman von Elvis Peeters, aus dem Meike Blatnik vortrug, fiel bei ganz genauer Betrachtung etwas aus der Reihe, konnte er doch an Komplexität und Originalität nicht so recht mit den folgenden Lesebeiträgen mithalten. Und die hatten es tatsächlich in sich: Sonja vom Brockes abstrakte Prosa, die von altägyptischen Hieroglyphen bis zu Wolfgang Priklopil beunruhigende bis verstörend bizarre Bildwelten entwarf; Andreas Bülhoff, der zwischendurch ganz auf das Vorlesen verzichtete und das Loop-Gerät voraufgezeichnete Text-Samples sprechen ließ; und schließlich Niklas Bardeli, dessen expressiver Vortrag inklusive nervösem Tic noch die banalsten Alltagsbeobachtungen mit dramatischer Wucht auflud – dafür hat sich das Kommen gelohnt.

Ein schön zusammengestelltes Fest also für den zwar einerseits noch nicht ganz eingetroffenenen Frühling, dafür aber andererseits für die Hybridität der Formen: Sowohl Blatnik als auch Brocke, Bülhoff und Bardeli entpuppten sich als Meister des Vortrags und ließen den Wunsch nach dem Nachlesen auf Papier oder in Buchform fast vergessen machen. Fair enough: Als einziges Buch war am Büchertisch ohnehin nur der klassischste Text, also Elvis Peeters‘ bei Blumenbar erschienener Roman Der Sommer, als wir unsere Röcke hoben und die Welt gegen die Wand fuhr erhältlich. Alles andere kann und sollte man sich bei anderer Gelegenheit nochmal live anhören, oder dann durchaus auch im kleineren Rahmen nachlesen, bis es mehr gibt, und zwar in den ersten beiden Ausgaben der STILL.

Zum Abschluss hier noch ein paar spontan notierte quirky Zitate der Lesenden:

  • „Einen richtigen Plan hatten wir nicht, wir improvisierten wie immer“ (Elvis Peeters)
  • „Fanta mit Pfiff“ (Sonja vom Brocke)
  • strafe und Strafe“ (Andreas Bülhoff)
  • „Ich will dich da treffen, wo die kleinen Füchse wohnen“ (Niklas Bardeli)

„Mein Großvater war ein großer Wanderer“

Von allen menschlichen Fortbewegungsarten ist das Wandern wohl die Interessanteste: Es findet meist in einer waldigen Gegend statt, Berge sind möglich, aber kein Muss, man setzt sich der Natur aus, bleibt aber doch auf eingetretenen Pfaden.

Anders als das Spazierengehen, Flanieren oder Bummeln bedarf eine Wanderung der gründlichen Vorbereitung, man muss die richtigen Schuhe besitzen, Proviant packen und sich auf schlechtes Wetter einstellen. Wandern ist kontrollierte Flucht aus dem Alltag, Wandern ist Kunst – und das war den Baslern Dan Solbach und Tenzing Barshee Grund genug, ein Rundschreiben zu verfassen und interessante Menschen zu Gesprächen über das Wandern einzuladen. Die Ergebnisse haben sie als Magazin herausgebracht, das den schönen Titel Wandering trägt, so ein bisschen auf Siebziger Jahre macht und schon im Januar erschienen ist.

(…) Als Kind hatte ich diese Faszination und wollte das immer machen. Auch noch als Jugendlicher. Und es ist eigentlich erst spät passiert, dass ich in die Berge gekommen bin. Mein Großvater war ein großer Wanderer. – Der hat ja ein Holzgeschäft, oder? Das bedeutet, dass er sich sowieso für den Wald interessiert haben muss (…)

Das Gute an Nachzügler-Berichten: Die nächste Ausgabe ist schon im Druck. Bis dahin gibt es Neuigkeiten auf tumblr. Das Heft gibt’s bei Motto.

Robert Walser in Südafrika

Ein Blick in die internationalen Literaturzeitschriften lohnt sich immer. Besonders empfehlenswerte Ausgaben lohnen einer genaueren Erwähnung, so etwa die fünfte Nummer der White Review aus London.

Die berichtet unter anderem über Christoph Schlingensiefs Operndorf in Ouagadougou, es gibt, als vierfarbigen Einleger gedruckt, drei neue Collagen-Gedichte von Herta Müller und einen Kurz-Essay über Robert Walsers letzten Spaziergang im Schnee – aus der Perspektive des südafrikanischen Schriftstellers Ivan Vladislavić.

In der Online-Ausgabe wurde dieser Beitrag noch um ein Interview ergänzt, bei dem schon die Fragestellungen lesenswert sind:

Your writing reveals a lot of deep reflection on the English language. Grammar, punctuation, dictionaries, crossword puzzles, lists of bird names, little known collective nouns, arcane forms, malapropisms, and the unruly polysemy of puns, all feature in your fiction at one time or another. How does this heightened awareness of language, the practice of taking your medium as your subject, help or impede you in telling the stories you want to tell?

Daneben kommt in der Papier-Ausgabe noch der amerikanische Schriftsteller Ben Marcus zu Wort, der sich am Beispiel von seinem letzten Roman The Flame Alphabet zur Zugänglichkeit von Literatur und dem Sinn des Kreativen Schreibens äußert, man kann zwei Kurzgeschichten lesen und Kunst gucken. The Daily Frown meint: Schön!

The White Review No. 5, 190 Seiten, £ 12.99