Da kiekste, Spirou!

Wer Fan der Spirou & Fantasio-Alben von André Franquin ist, wird sich über die Wiederbelebung eines der großen frankobelgischen Comic-Klassiker freuen. Mit Spirou in Berlin gibt es nun das neueste Beispiel dafür.

Nachdem es Ende der neunziger Jahre etwas still um die Abenteuer des immerhin schon 80 Jahre alten Hotelpagen und seiner Freunde Fantasio, dem Eichhörnchen Pip und den Grafen von Rummelsdorf geworden war, hat die Serie mit dem neuen Autorenteam Yoann und Vehlmann wieder neuen Schwung bekommen – seit 2006 gibt es nun außerdem die neue Reihe der „One-Shots“, in der wechselnde Autorenteams eigenständige, vom Serienverlauf losgelöste Abenteuer erzählen dürfen. Auf Deutsch im Carlsen Verlag in der Reihe „Spirou & Fantasio Spezial“ erschienen, kann man sich so beispielsweise ins von den Nazis besetzte Belgien versetzen lassen, in der Oliver Schwartz und Yann anspielungsreich ungleich realistischere Geschichten zu erzählen haben, die auf die realen Begleitumstände der Entstehung des ursprünglichen Comics und Zeitgenossen wie etwa Hergé verweisen.

Jetzt hat sich in einer schon etwas außergewöhnlichen Kooperation der Spirou-Verlag Dupuis mit dem deutschen Carlsen Verlag zusammengetan und zum ersten Mal die Möglichkeit für ein Spirou-Abenteuer geschaffen, das nicht nur in Berlin spielt, sondern von Carlsen-Autor Flix geschrieben und gezeichnet wurde.

Während das von Yoann und Vehlmann kreierte Weltkriegs-Szenario deutlich härter und düsterer, wenn auch nach wie vor mit der typischen Spirou & Fantasio-Komik ausgestattet ist, nähert sich Flix einer anderen geschichtlichen Epoche mit deutlich mehr Leichtigkeit an: Im Jahr 1989 geht der Graf von Rummelsdorf in Ost-Berlin auf einem angeblichen Mykologie-Kongress verloren. Natürlich steckt hinter der nebulösen Einladung, der er gefolgt ist, etwas anderes. Niemand geringerer als Fantasios böser Cousin Zantafio hat seine Finger im Spiel, sein Plan: Das Währungsproblem der maroden DDR mit einer so einfachen wie genialen Erfindung lösen. Über abenteuerliche Wege werden Spirou & Fantasio getrennt, trainierte Affen kommen zur Hilfe, ebenso wie eine Widerstandsgruppe, die den Berliner Untergrund kontrolliert.

Flix hat seine Helden mit sehr viel Liebe fürs Detail in die Spätphase der DDR versetzt, lässt sie legendäre Orte wie das Palasthotel und den Fernsehturm erkunden, setzt den Ostalgie-Faktor dabei aber nur sparsam ein, was ein angenehmes Gefühl der Vertrautheit bei der Lektüre garantiert. Die etwas pausbäckige Gestalt seiner Figuren, die etwas kindlich anmutet, setzt einen klaren Akzent auf den komischen Charakter der Geschichte.

Insgesamt kann das Projekt Spirou goes Berlin überzeugen: Die Handlung ist rasant und voller irrer Wendungen, Einfälle wie eine Belüftungsföhre, die quer die Panels durchkreuzt, machen auf auch der gestalerischen Ebene Spaß. Einziger Wermutstropfen: Eine französische Übersetzung ist laut Verlagsangaben noch nicht in Planung. Die Reaktionen der Spirou-Leser in Belgien und Frankreich werden also wohl noch etwas auf sich warten lassen müssen.

Flix: Spirou in Berlin. Carlsen Verlag, 64 Seiten, 16 €

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