Hotzenplotz reloaded

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Die Meldung schlug ein wie eine, ähem, Bombe: Ein neues Abenteuer vom Räuber Hotzenplotz? Der anarchischen Kinderbuchfigur von Otfried Preußler schlechthin, Bratwurstliebhaber und Pfefferpistolen-Schwinger?

Nun steht das Buch tatsächlich in den Läden – und die Reaktionen fallen gemischt aus: Während die renommierte Kinderbuch-Kritikerin Roswitha Buddeus-Budde in der SZ von einer eindeutigen „Mogelpackung“ spricht, ist Felix Zimmermann in der taz gnädiger, verweise die titelgebende Mondrakete doch auf Preußlers Haupt-Schaffenszeitraum, der deutlich von Wettrüsten, Kaltem Krieg und eben dem Wettlauf um den Mond geprägt war.

Nicht aus der Welt schaffen lässt sich jedenfalls der Fakt, dass dieses „neue“ Hotzenplotz-Buch letztlich auf einem Puppenspiel-Dramolett fußt, das Preußler 1969 während einer Schaffenskrise beim Verfassen des Krabat geschrieben hat, sowie wohl auf einer Skizze, die Preußler-Erbin Susanne Preußler-Bitsch auf dem Dachboden angibt, gefunden zu haben. Weiter erzählt und zur 60-seitigen Geschichte ausgebaut haben den Text Preußler-Bitsch und Katharina Savigny, die Illustrationen kamen von Thorsten Saleina, der sich stark an den aus den Vorgängerbänden bekannten Bildern von J.F. Tripp orientierte.

Eher als von einem „neuen“ Preußler muss man hier richtigerweise schon eher von einer Hommage sprechen, die aber auf einer so witzigen wie Preußler-typische Ursprungsidee aufbaut: Hotzenplotz bricht aus dem Spritzenhaus aus, Wachtmeister Dimpfelmoser ist von den Ermittlungen überfordert, Kasperl und Seppel locken den Räuber schließlich mit dem Versprechen auf reichlich Silber in eine selbstgebastelte Mondrakete und nehmen ihn fest; am Schluss gibt es Großmutters bewährte Schwammerlsuppe.

Trotz der etwas verzerrenden, groß angelegten Marketing-Kampagne des Thienemanns-Verlag, die offenbar große Hoffnungen in die Marke Hotzenplotz setzt, ist dieser Band aber tatsächlich so hotzenplotzig, wie er nur sein kann: Lustig, wild, flüssig geschrieben und in Sprache und Illustration liebevoll an seine großen Vorbilder angelehnt. Die kleine Welt des Dorfes, die sich aus den Archetypen der trotteligen Obrigkeit, Geborgenheit bietenden Großmutter, in zuverlässiger Freundschaft verbundenen Kasperl und Sepperl und schließlich dem anarchischen Gegenprinzip Hotzenplotz zusammensetzt (der sich in seiner Ehre gekränkt fühlt, dass er so leicht aus dem Spritzenhaus ausbrechen konnte und über den Dienstausfall während der Gefängnishaft klagt) besticht auch heute noch in ihrer universellen Gültigkeit.

Otfried Preußler, Thorsten Saleina, F. J. Tripp: Der Räuber Hotzenplotz und die Mondrakete, Thienemann Verlag, 64 Seiten, 12 €

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