Von Pennälern und Matroschkas

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Es ist schon zu einer schönen Tradition geworden, dass sich jedes Jahr im November Literaturjournalisten aller großen Tages- und Wochenzeitungen in Berlin treffen, um über den Zustand der jungen Gegenwartsliteratur zu schreiben.

Auch dieses Jahr wieder konnte der Open-Mike-Literaturwettbewerb ein spannendes Rahmenprogramm für die angereisten Redakteurinnen und Redakteure bieten. Dabei ist eines festzustellen: Während der Literaturjournalismus in den letzten Jahren immer professioneller und wirklichkeitsnäher geworden ist, gelingt doch eine wirklich ausgewogene und objektive Berichterstattung nur selten. Schon im letzten Jahr konnte man von „farb- und willenlosen Charakteren“, „fehlender Tiefe“ und einem Mangel an Haltung lesen, dieses Jahr auch wieder: Professionalisierung, Inszenierung, schlimmer noch: „Schulmeisterlichkeit“ und „Marketingmentalität“, gepaart mit dem üblichen Verweis auf die Schreibschulen in Leipzig und Hildesheim.

Wollen wir solch einen Literaturjournalismus? Wo ist die Verve eines Joseph Roth, wo sind die Spitzen eines Kurt Tucholsky, wo ist das Poltern eines Jörg Fauser? Stattdessen werden hier „Kommas und Gedankenstriche wie Sofakissen drapiert“ und „schweißtreibend ermeißelte Syntax“ angekreidet – sprachliche Meisterleistungen!

Um es noch deutlicher zu machen: Ist es wirklich noch zeitgemäß, in einem literaturjournalistischen Artikel im Jahr 2014 von „Pennälern“ zu sprechen? Kann man eine Frage wirklich „wie eine Matroschka öffnen“, um ihr „weitere entschlüpfen zu lassen“? Und ist es wirklich notwendig, dann auch noch mit Kafka, Musil, Doderer und Ludwig Thomas Lausbubengeschichten (!) zu kontern?

Um das Leben mit mehr guten journalistischen Texten zu bereichern, auch darum wünscht man den Open-Mike-Journalisten für die Zukunft mehr Professionalität.

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2 Kommentare zu “Von Pennälern und Matroschkas

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