Down & Out in Brändö

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Finnische Familienverhältnisse: Der erste Teil von Henrik Tikkanens „Adressbuch-Trilogie“, Brändovägen 8 Brändö, Tel. 35, erscheint zum diesjährigen Buchmesse-Schwerpunkt erstmals in deutscher Übersetzung.

Zum Glück! Denn die von Karl-Ludwig Wetzig übertragene, fiktionalisierte Autobiografie des als Karikaturist bekannt gewordenen Tikkanen ist eine kurzweilige, bitterböse und sehr erhellende Lektüre. Auf nur 140 Seiten räumt der Erzähler mit dem selbstherrlichen Bild der finnlandschwedischen besseren Gesellschaft auf und hält seiner großbürgerlichen Familie den Spiegel vor. Im Ton erinnern seine Schilderungen von einer dysfunktionalen Jugend dabei bisweilen an Pétur Gunnarssons isländische Andri-Tetralogie (zur Frankfurter Buchmesse 2011 im Bonner Weidle-Verlag erschienen); was beiden sehr gut gelingt, ist das Hineinversetzen in den Blick des Kindes, das die Verhältnisse nur scheinbar naiv, in Wirklichkeit aber sehr scharfsinnig beobachtet:

(…) ohne Freiheit ist das Leben wertlos. Das muss jedes Kind in Finnland lernen. Nur lernt es nicht unbedingt, was Freiheit bedeutet, denn dann könnte es passieren, dass die Bereitschaft, sein Leben für die Freiheit zu opfern, geringer ausfällt, als für die Wehrkraft gut ist.

Tikkanen ist leider selbst dem in seinen Buch grassierenden Alkoholmissbrauch nicht entkommen und im Jahr 1984 an Leukämie gestorben. Die beiden Folgebände zu seinem Roman, Bävervägen 11 Hertonäs und Mariegatan 26 Kronohagen, liegen bislang noch nicht auf Deutsch vor.

Henrik Tikkanen: Brändovägen 8 Brändö. Tel. 35. Verbrecher Verlag, 160 Seiten, 22 €

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