CW was here: Requiem for Carl

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„You don’t wanna be a bum, you better chew gum.“
(Bob Dylan, Subterranean Homesick Blues)

„Willste kein Penner sein, schieb dir nen Kaugummi rein.“
(Carl Weissner, Heimweh-Blues aus dem Keller)

Carl Weissner, the man, war einfach zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Dylan-Übersetzer, Bukowski-Kumpel, einziger voll und ganz Underground-Literat, den Deutschland je hatte. In den Sechzigern mit einem Fulbright-Stipendium aus Bonn straight nach San Francisco abgehauen, mit Ginsberg, Ferlinghetti und Burroughs abgehangen, zurückgekehrt und die ersten Underground-Magazines mit Jörg Fauser und Jürgen Ploog herausgegeben: Klactoveedsedsteen, UFO, Gasolin 23, allein der Klang dieser Titel, darin steckte die große weite Welt, tune in, drop out, free your mind. Bukowski von der Kneipe bis zum Friedhof nicht von der Pelle gerückt, übersetzt übersetzt übersetzt und nebenbei ein neues Slang-Deutsch erfunden, das die Welt noch nicht gesehen hat.

Menschenskind, wir kommen extra aus Heidelberg hier angerollt, weil wir Art Blakeley hören wollen in diesem Klub da, wie heißt er noch? Saint German da Brass, oder so. Und verdammt noch mal, mir schnallt das Plasma ab, und du läßt hier den Linkmichel raushängen! Glaubst du vielleicht, ich bin ein belgischer Tourist oder so was?

Dann selbst geschrieben: Manhattan Muffdiver, ein New-York-Alptraum von einem Roman, der die Schädeldecke sprengt, Die Abenteuer von Trashman, ein Nachtjournal aus dem vernebelten Jahr 1968. Death In Paris, auf englisch geschrieben, nur im Internet veröffentlicht. Dann, gerade war der Trashman beim Wiener Milena Verlag erschienen, da hatten sich zwei gefunden, true believers, die schreckliche Nachricht vom 24. Januar 2012: Carl Weissner ist tot.

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Wenn jemand ein Requiem wie den Band Eine andere Liga verdient hat, dann CW bei Milena („Well, I guess those guys at Hanser got to have their minds in their asses is all I can say“). Auf 374 Seiten haben seine letzten Verlegerinnen, nachdem der Schock überwunden war, noch einmal alles zusammengepackt, was man über diesen transatlantischen Teufelskerl wissen muss. Briefe. Cut-Ups. Skripte, Interviews, Zeitungsausschnitte, Faksimile-Abdrucke der Underground-Magazine, und wenn man das Buch wendet, der vollständige Romantext von Death In Paris, deutsch von Walter Hartmann. It’s the bomb.

Spanish Eddie, seit drei Tagen ohne Stoff, der kalte Rotz läuft ihm aus der Nase, und die Connection läßt sich nicht blicken… wir hängen ihn bei Shmuel in der Metzgerei an einen Haken, aber er will nicht singen… Sal holt eine Ampulle aus der Tasche und hält sie ihm vor die Nase: „Ich hätt nicht gedacht, Eddie, daß du mir noch mal einen Tropfen Nitroglyzerin wert bist.“

Eine andere Liga unterstreicht mit dickem Rotstift, was das für einer war, dieser Carl Weissner: Nämlich einer der wenigen Autoren, die, immer auf der Suche nach neuen Ausdrucksmöglichkeiten, drauf und dran sind, alle Konventionen über Bord zu werfen und mit wenigen Worten sämtliche Schranken im Kopf in die Luft fliegen zu lassen.

Als er 2011 auf der Leseinsel der jungen Verlage während der Leipziger Buchmesse aus Manhattan Muffdiver las, wirkte er wie ein Alien mit Schnapsodem und speckiger Lederjacke. Aber er war sowas von da. CW was here. And he left some good stuff behind for us.

Carl Weissner: Eine andere Liga. Milena Verlag, Wien, 374 Seiten, 24,90 €. Collage von Norman O. Mustill.

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