„Malchuth ist Malchuth und damit basta.“

In Max Czolleks Gedichtband „Druckkammern“ zischt und brodelt es wie in einem Labor.

Das 35. Quartheft aus dem Verlagshaus J. Frank in Berlin, ein Lyrikdebüt, das unlogischerweise in der Reihe „Edition Belletristik“ erscheint, ist ein lesefreundliches Softcover von knapp neunzig Seiten; die fünfzig Gedichte überschreiten selten eine davon und genießen, mittig platziert, viel Freiraum.

Soviel zur Zahlenmystik, die in diesem Band überhaupt keine Rolle spielt, wie das hier titelgebende Zitat aus Umberto Ecos Verschwörungssatire „Das Foucaultsche Pendel“ unterstreicht. Stattdessen wird ein himmelweiter Referenzraum eröffnet: Czollek zitiert neben Eco auch großformatig Bob Dylan, Maxim Biller, den Talmud – und den Schlager „Over the Rainbow“. Um eine visuelle Komponente ergänzen ihn drei doppelseitige Illustrationen (eine Straßen-, eine U-Bahn- und eine Waldszene) von Frederik Jurk.

In seinen Gedichten ist Max Czollek in der ersten Hälfte ein detailversessener Beobachter von Großstadt- und Reiseszenen von Weimar bis Tel Aviv, die er mit naiv-kindhafter Bildsprache ausgestaltet: „wer verreisen will/kaut zitrusfrüchte/malt sich eine karte/zur videothek und zurück.“ In der zweiten Hälfte wagt er sich an größere Themen: „ein oder zwei zonen zwischen mir/und dem rest der geschichte“, heißt es im fünfteiligen Zyklus „leuchten“, dem das Talmud-Zitat vorangestellt ist. Eine Spurensuche nach der mame loyschen, dem jiddischen Wort für Muttersprache, bildet den Abschluss und deutet so den Versuch einer eigenen Verortung des Schreibens an: „hast dich los gemacht/zurück in das ghetto/aufgänge gesucht/deine frühen gesichter:“.

Was da zischt und brodelt und sich zwischen Zitaten und Illustrationen, die den Blick bisweilen ein wenig verstellen, auftut, ist so etwas wie ein Labor für eine neue Stimme, die sich ausprobiert – und wie ein Taucher in der Druckkammer langsam auf die Außenwelt vorbereitet.

Max Czollek: Druckkammern. Verlagshaus J. Frank, 84 Seiten, 13,90 €.

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