Wer hat die Kokosnuss geklaut?

Ein neuer Christian Kracht steht vor der Tür. Wie erwartet hat „Imperium“ die Feuilletonseiten der großen Zeitungen gefüllt. Aber dann ging irgendetwas schief. Abriss einer Posse.

Wenn sich Verleger Helge Malchow mit seiner Mitarbeiterschaft mittels einer Presseerklärung gegen einen SPIEGEL-Artikel wehrt, muss schon einiges im Argen liegen. Aber von vorne: Dass Christian Kracht durchaus ein streitbarer Autor ist, weiß man ja spätestens seit dem Bildband „Die totale Erinnerung“ über Kim Jong Ils Nordkorea. Oder der Sottise, die Taliban seien ja sehr „camp“. Die Stimmen zu dem als „Südseeballade“ angekündigten Neuling waren indes bislang eher wohlwollend: von „nickender Genugtuung für Oberseminaristen“ schreibt die ZEIT, die taz ruft „die fabelhafte Welt des Christian Kracht“ aus – mit dem allerdings etwas schnoddrigen Fazit: „Schade, da war mal mehr drin.“ Die Kokosnuss, in „Imperium“ seligmachendes Glücksrezept des exzentrischen Kolonisten August Engelhardt, wird für Elfriede Jelinek in einem herrlichen blurb gar zum Sinnbild für das ganze Buch: „Einen Satz über Christian Krachts Roman Imperium zu sagen, ist, als wollte man Goethes ‚Unterhaltungen deutscher Ausgewanderten’ in einen Orangenkern eingravieren. Vielleicht in eine Kokosnuß?“

Warum aber der SPIEGEL sich nun so harsch auf den neuen Kracht einschießt und auf vier Seiten unter Zuhilfenahme eines entlegenen Briefwechsels mit David Woodard den Versuch unternimmt, „rechtes Gedankengut“ zu belegen, ist auf den ersten Blick rätselhaft und hat dann auch den Verlag veranlasst, noch einmal auf seine „Tradition antifaschistischen und demokratischen Denkens und Publizierens“ zu pochen. Zu allem Überfluss schickte die WELT eine aufgeregte Solidaritätsbekundung mit den Worten „Kritiker schreit Nazi-Mordio“ hinterher.

Viel Trubel um ein Buch, das noch nicht einmal erschienen ist: Denn was nun wirklich in „Imperium“ geschrieben steht, davon kann man sich erst ab Donnerstag selbst überzeugen. Dann liegt das Buch in den Läden.

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