Trouble in the Message Centre


Gelungenes Debüt: Da kann der Autor stolz sein (Foto: mairisch.de)

Glorious England! Der mairisch Verlag aus Hamburg macht jetzt auch in britischer Gegenwartsliteratur. Gestatten: Lee Rourke mit seinem Debütroman „Der Kanal“.

Man muss nicht unbedingt das Album „Parklife“ von Blur auflegen, wenn man dieses Buch liest. Man kann aber. Statt Britpop-Nostalgie kommt einem schon auf der ersten Seite ein Banksy-Stencil unter und man ist mittendrin im London von Jetzt. Hektik, Menschenmassen und traffic jam? Weit gefehlt. Zwischen den Staddteilen Islington und Hackney macht es sich der Erzähler erst mal auf einer Parkbank gemütlich, schaut den Enten zu und gefällt sich in seiner Kontemplation der Langeweile.

Es war gut, hier zu sitzen und dem Lauf der Dinge zuzusehen – nichts zu sagen, nichts zu tun und nichts zu denken. Es war wirklich gut.

Also doch ein bißchen „Parklife“? Jedenfalls: Bevor es gar zu meditativ wird, tritt noch jemand Zweites auf, nämlich eine junge Frau, die ebenfalls auf der Bank Platz nimmt und zaghaft zu plaudern beginnt. Beide stecken irgendwie in der Krise, das merkt man trotz des leichten Erzähltons schnell, und gerade dieser Erzählton macht das Buch sehr lesenswert. Denn diese traurige Geschichte der Begegnung von zwei wildfremden Menschen, die sich mir nichts, dir nichts ihr Leben erzählen, ist so gut und frisch erzählt, dass man nicht aufhören möchte zu lesen, ein bißchen melancholisch wird, und dann so schnell wie möglich in den nächsten Ryanair-Jet nach London steigen will, an den Kanal zwischen Islington und Hackney.

Lee Rourke: Der Kanal. Aus dem Englischen von Roberta Schneider. mairisch Verlag, 2011. 232 Seiten, 17,90 €.

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