Ein Landarzt aus Bielefeld, Marginalien


Einstiegsseite des Bielefelder Digitalisats

Eine digitale Möglichkeit zur originären Werkexegese von Franz Kafkas zweitem zu Lebzeiten erschienenen Erzählungsband „Ein Landarzt“ bietet die Universitätsbibliothek Bielefeld, wie The Daily Frown zufällig herausfand.

Das 1919 im Kurt Wolff Verlag erschienene Büchlein überrascht vor allem durch die ungewöhnlich groß gesetzten Lettern, in denen die Erzählungen daherkommen: der „Bericht für eine Akademie“ beginnt mit sechs Zeilen, die vollständig gefüllten Seiten kommen gerade einmal auf sechzehn.

Eine kurze Recherche ergibt, dass dies keineswegs aus einer Schnapslaune der Druckerei heraus entstanden war: schon bei seinem ersten Buch „Betrachtung“ hatte Kafka gegenüber dem Verleger als einzigen Wunsch angegeben, „die größte Schrift, die innerhalb jener Absichten möglich ist, die Sie mit dem Buch haben“, zu benutzen. Später schrieb er dagegen schon etwas kritischer an Felice Bauer:

Wie gefällt Ihnen die Schriftprobe (das Papier wird natürlich anders sein?) Sie ist zweifellos ein wenig übertrieben schön und würde besser für die Gesetzestafeln Moses passen als für meine kleinen Winkelzüge. Nun wird es aber schon so gedruckt.

Ein weitere kafkaeske Tiergeschichte kann man übrigens hier online lesen: „Forschungen eines Hundes“ ist als „Band“ 1 im „Daily Frown Verlag“ erschienen.

Und wer gerne eine Erstausgabe der „Betrachtung“ in den Händen halten möchte, beschaffe sich 10.000 Euro und besuche das ZVAB.

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