Straight from the Shtetl


Funky Jewish Sounds From Around The World (© Trikont 2007)

„Jewish Hip-Hop“ ist ein Phänomen, von dem man hierzulande so gut wie nichts mitbekommt. Doch allem Anschein nach passiert in der Szene momentan so einiges.

In der TIME war kürzlich folgendes zu lesen:

(…) rap is thriving. The U.S. import has taken root in the Palestinian territories and Israel, evolving into a gritty hybrid expression of the Arab-Israeli conflict that steers clear of the original’s current preoccupations with flashy wealth, gangster attitudes and fast women.
(Taking The Rap, Tim McGirk, 22/02/07)

Da gibt es auf der einen Seite die Palestinian Rapperz, die sehr old-school-mäßig über den blutigen Alltag im Gaza-Streifen rhymen, andererseits den „godfather of Israeli hip-hop“, Sagnol 59 und Jew Da Maccabi, einen ausgewanderten Orthodoxen, der sich streng an die Halacha hält, aber statt dem traditionellen schwarzen Hut stets eine New York-Yankees-Kappe trägt und Bob Marleys „Iron Lion Zion“ auf eine etwas andere Art interpretiert. Sein Label nennt sich nicht umsonst „Kosher Productions“.

„Funky Jewish Sounds From Around The World“ zu präsentieren hat sich nun das wunderbare Trikont-Label (hier um die Ecke) mit der Compilation Shtetl Superstars auf die Fahnen geschrieben, und es geht ganz schön rund auf der CD. Relativ klassischer Klezmer, unterlegt mit Scratches und mehrsprachigen Samples, kommt eigentlich nur beim ersten Stück noch zur Geltung, dann taucht der Hörer tief in kanadischen, latino-jüdischen, spanischen und amerikanischen Hip-Hop ein (und der nähert sich schon gefährlich an Eminem an), findet sich im jiddischen Liedgut wieder, das in einen Ska-Anzug gesteckt wurde und landet auf einmal bei den „Adventures of Rabbi Jacob“ der Tel Aviver Surfrockband Astroglides. Auf französisch kommt der „Lamentation Walloo“ daher, und gleich danach beklagen sich Ha Biluim über „No Baguettes In The Gettho“. Im Rückblick erweist sich Shtetl Superstars als ein nicht ganz leicht zu verdauender, sehr emotionaler Mix aus überdrehtem Big-Band-Spaß und weinenden Klarinetten, der aber auf beeindruckende Weise zeigt, was sich in der genuinen, aber keinesfalls homogenen, da über die ganze Welt verteilten jüdischen Musikszene (dem „global shtetl“ eben) so abspielt.

Shtetl Superstars – Funky Jewish Sounds From Around The World, Trikont 2007, im gut sortierten Tonträgerhandel oder direkt beim Verlag für 15 € zu erwerben

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