The past is not dead. In fact, it’s not even past.


Don mit Sohn – oder auch nicht

Der Film zum Faulkner-Zitat: Broken Flowers von Jim Jarmusch. Mit Bill Murray und Sharon Stone. Jetzt im Kino.

„Die Vergangenheit ist vergangen. Die Zukunft ist noch nicht da. Also ist alles was wir haben das hier, schätze ich. Die Gegenwart.“ So (wenigstens sinngemäß) das ebenso banale wie richtige Fazit von Don Johnston, dem alternden Frauenhelden und Computerexperten („Meine Interessen? Frauen und Computer“), mit dem er sein Leben rechtfertigt, das er größtenteils auf dem Sofa verbringt, wo er klassische Musik hört und sich alte Don-Juan-Verfilmungen ansieht.

Diese triste Idylle wird zunächst nicht unterbrochen, als ein rosa Brief, von Frauenhand verfasst, in seinem Flur landet. Die anonyme Mitteilung, er habe einen 19-jährigen Sohn von einer ehemaligen Freundin, der auch noch auf der Suche nach ihm sei, nimmt Don sonderbar gelassen hin. Erst sein Nachbar Winston, Krimiexperte und Hobbydetektiv, der fünf Kinder, drei Jobs aber trotzdem Langeweile hat, drängt ihn dazu, der Geschichte nachzugehen. Er klügelt für den mürrisch abwehrenden Don eine perfekte Reiseroute aus, um die vier für den Zeitraum der Zeugung des Sohnes in Frage kommenden Frauen auszuhorchen, bucht Flüge und Mietwagen und brennt ihm sogar eine CD mit äthiopischem Jazz für die Autofahrten. Wie ein gelangweilter Privatermittler sieht man Don dann tatsächlich wenige (Film-)Minuten später am Flughafenterminal sitzen.

Die Reise durch seine eigene Vergangenheit, wobei er mit vier völlig unterschiedlich lebenden Frauen zusammentrifft, die einzig verbindet, dass sie einmal mit ihm zusammen waren, gestaltet sich durch die ruhige Kameraführung, das Fehlen von bedeutungsschwangerer Hintergrundmusik und die wohl Markenzeichen gewordene minimalistische schauspielerische Darbietung Bill Murrays zu einer Erfahrung, die durch die Zurückhaltung der eigentlichen Hauptfigur viel Platz hat um auf den Zuschauer zu wirken. Durch altmodische Ein- und Ausblendungen werden die vier Besuche Dons zu Schlaglichtern auf die Verschiedenartigkeit der Lebensentwürfe der heutigen amerikanischen Gesellschaft in der Provinz.

Dabei kommt auch der Humor nicht zu kurz, wobei man an manchen Stellen auch wieder nicht weiß ob man lachen oder nachdenklich werden soll. Beispielsweise zeigt der kumpelhafte Ehemann von Frau Nr. 2 im perfekt eingerichteten Musterhaus der beiden Immobilienmakler Don plötzlich ein Photo, auf dem die hypersensible, zerbrechlich wirkende Gattin als wildes Hippiemädchen abgebildet ist. Die vorletzte Besuchte, die eigentlich Juristin werden wollte, nun aber eine Praxis als „Animal Communicator“ betreibt, erläutert Don gar, dass ihre Katze ihn verdächtige, etwas im Schilde zu führen.

Am Schluss bleibt nicht nur der Zuschauer verwirrt zurück. Don, der glaubte mit seiner Vergangenheit abgeschlossen zu haben, steht in der letzten Szene verstört mitten auf der Straße, während sich die Kamera um ihn dreht. Die von ihm ob ihrer Seltsamkeit belächelte Welt „da draußen“, auf die er sich widerstrebend noch einmal eingelassen hat, hat ihn aus seiner selbstgewählten Eintönigkeit gerissen und, wie es scheint, zum Narren gehalten. Aber ich will nicht zuviel verraten…

Zum Weiterlesen:

Eine Kritik der New York Times (u.a. bei Google)
Und ein netter Artikel bei Spiegel Online

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