„Do the hokey pokey tonight!“

Der Mann, dessen Stimme wie eine Nick-Cave-Persiflage klingt, ist zurück – mit besonderer Bevorzugung der deutschen Fans. Und bald gibt’s das Buch dazu.

Denn hierzulande erschien Adam Greens neues Album „Gemstones“ bereits am 10. Januar, wohingegen die übrigen Europäer und Amis noch ein paar Wochen ausharren müssen. Der Nachfolger auf das letztjährige „Friends Of Mine“, vom deutschen Rolling Stone hastig zum Album des Jahres 2004 gewählt, lockt diesmal nicht mit scheinheilig-verführerischen Streichern, ist deswegen aber kein bißchen unmusikalischer.

Geradezu überschäumend vor Ideen erscheint schon das erste Stück, der Titeltrack – geschätzte 5 Tempowechsel, dazu derwischartig-ekstatischer Gesang, der auf die berüchtigten Tanzeinlagen der letzten Tournee verweist. Kaum verwunderlich, dass einige der dort gespielten unbekannten Stücke nun endlich würdig in Erscheinung treten: Beim „Crackhouse-Blues“ werden die Füße grün vom Tanzen, und „Emily“ bewahrt glücklicherweise die euphorische Stimmung der Live-Version, bei der nicht wenige Besucher der stets überfüllten Konzerte in spastische Zuckungen verfielen.

Fest steht: Der Mann kann Musik machen. In der FASZ gemachte Anspielungen auf jüdische Tradition, Großmutterschaft der Kafka-Freundin Felice Bauer gar seien mal dahingestellt. Doch hält die Begeisterung gerade der deutschen Anhängerschaft an – und dürfte in den kommenden Tagen noch einmal angeheizt werden, wenn in der edition suhrkamp Greens erstes Buch überhaupt, magazine, erscheint. Gesammelte Notizen aus den Kladden des U-Bahn-Reisenden, sorgsam durchnummeriert und zweisprachig. Eine für die „Welt am Sonntag“ unerklärliche Verschaukelung der Leserschaft, unklar ob von des Verlages oder gar Greens Seite selbst. Nicht überrascht, aus dieser Ecke dumpfes Murren wahrzunehmen, erwarten wir fröhlich, was es wirklich ist, das uns die Reihe („seit 1963 ist sie die Avantgarde des Suhrkamp-Programms“ [Eigenauskunft]) bald vorsetzt und drehen „Carolina, she’s from Texas, red bricks drop from her vagina“ noch etwas lauter.

Zum Weiterlesen:
Das Interview in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung
Die Kontroverse in der Welt Am Sonntag um „magazine“
Das Buch zur Kontroverse
„Gemstones“ zum Probehören als realaudio-Stream

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Ein Kommentar zu “„Do the hokey pokey tonight!“

  1. Pingback: Dreimal Suhrkamp | The Daily Frown

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